In den Bergen herrschte eine durchdringende Kälte, die jede Schicht Kleidung und scheinbar sogar die Knochen durchdrang. Der See, fast vollständig von Eis bedeckt, spiegelte die schwache Wintersonne wider, und auf seiner Oberfläche glitzerte eine dünne Reifschicht wie verstreutes Silber. Das Eis knarrte und barst unter dem geringsten Druck, und hier und da blieben kleine Stellen offenen Wassers zurück – dunkel, eiskalt und gefährlich. Genau dort hatte sich durch eine unheilvolle Fügung des Schicksals ein riesiger grauer Wolf verfangen.
Er war in ein Eisloch geraten und versuchte nun, vom Frost ergriffen, verzweifelt, sich auf das Eis zu ziehen. Seine Pfoten rutschten auf der dünnen Oberfläche, das Wasser brannte bis in die Knochen, sein Fell wurde nass und schwer, sein Atem ging stoßweise. Jede Bewegung kostete ihn enorme Kraft, und nach wenigen Minuten begannen ihn die Kräfte zu verlassen. Die panische Wut in seinen Augen wich langsam der Hilflosigkeit.
Zur gleichen Zeit ging in der Nähe eine ältere Frau einen Waldweg entlang. Sie sammelte Zweige und beeilte sich, nach Hause zu kommen, um den Ofen anzuzünden, bevor der Frost unerträglich wurde. Schneewirbel hoben sich vom Weg und tanzten um ihre Kleidung, und die Luft war so klar, dass man meinte, jede einzelne Schneeflocke in allen Details erkennen zu können. Plötzlich wurde die Stille von einem Platschen und einem heiseren, klagenden Laut durchbrochen – als würde jemand um Hilfe rufen. Das Herz der Frau schlug schneller, und ihre Beine trugen sie wie von selbst zur Quelle dieses seltsamen Geräusches.
Als sie näher kam, bot sich ihr eine Szene von beinahe unvorstellbarer Wucht: Der Wolf, riesig und verletzt, kämpfte gegen das eisige Wasser. Seine Augen, voller Angst und Schmerz, trafen die ihren. Man sah, wie schwer ihm jede Bewegung fiel, wie er seine Pfoten und seinen Rücken kaum noch kontrollierte. Die alte Frau verstand, dass das Tier verloren war, wenn sie nicht sofort eingriff.
Ohne zu zögern fand sie einen langen, trockenen Stock. Das Eis knarrte unter ihren Füßen, der Wind pfiff durch die Äste der Bäume, Schneeflocken wirbelten um sie herum, doch sie bewegte sich langsam auf das Eisloch zu, beinahe kriechend, jeden Schritt vorsichtig setzend. Jeder Muskel ihres Körpers war angespannt, jede Zelle ihres Gehirns arbeitete, um keinen Fehler zu machen und nicht selbst ins Wasser zu fallen.
„Halte durch…“, flüsterte sie leise und streckte dem Wolf den Stock entgegen.
Zunächst knurrte das Tier, als sei es bereit zur Verteidigung oder zum Angriff, doch die Kraft für Zorn war bereits erschöpft. Es packte den Stock mit den Pfoten, und die Frau begann langsam und mit großer Anstrengung, ihn auf das Eis zu ziehen. Ihre Hände zitterten, ihr Rücken schmerzte vor Anspannung, das Wasser spritzte um sie herum, doch sie hielt nicht inne. Das Eis brach erneut unter dem Gewicht des Tieres, und ihr Herz erstarrte. Allmählich, beinahe wundersam, gelangte der gewaltige Körper des Wolfs auf die Oberfläche.
Er lag da, schwer atmend, die Hinterpfote verdreht, sein Körper zitterte vor Kälte und Schmerz. Doch sein Blick hatte sich verändert – anstelle von Angst und Aggression waren Vertrauen und Dankbarkeit getreten. Die ältere Frau spürte es so deutlich, dass die Kälte weniger hart erschien.